Autor und Restaurantkritiker Peter Peter über das Hotel & Restaurant BOCK:
Limbach-Oberfrohna (10 km westl. von Chemnitz), einst Zentrum der sächsischen Textilindustrie, wovon noch aufwendige Fabrikantenvillen und Rhododendronparks zeugen, lockt mit einer modernen Anlaufstelle für einheimische Kochkultur. Frau Ute Striegler, die junge Wirtin des Hotel Bock, setzt sowohl bei Inneneinrichtung wie Lebensmitteln auf lokale Produzenten. Die Gartentische sind in Großröhrsdorf gezimmert, die Stühle mit einheimischen Stoffen der Cammannweberei bespannt, Gemüse kommt vom Demeterbetrieb Guidohof aus Uhlsdorf und Slowfood-Fleischer Heyer aus Werdau tüftelt in seiner Wurstmanufaktur bereits an einer hauseigenen Bock-Wurst. In der lichten Gaststube, einer ehemaligen Gärtnerei, wird die sorgfältig interpretierte Regionalküche von Marko Spanier serviert. Eine Visitenkarte des Jungkochs, der nach Wanderjahren durch ganz Deutschland in seine Heimat zurückkehrte, ist wunderbar mürber, 36 Stunden lang gegarter Wittgensdorfer Rinderbraten (nach dem Weideort der Tiere) mit gerösteten Blumenkohlröschen. Die traditionelle sächsische lauwarme Pökelzunge wird von Kartoffeln in Kerbelbutter begleitet. Schön, daß auf dem Speisezettel weitere „verpönte“ Gerichte wie Ochsenbackenragout stehen. Lob verdient, daß immer ein verfeinertes vegetarisches Menü aus einheimischen Gemüsesorten komponiert wird: Steckrübensüppchen, Kartoffelmousse mit Bärlauch oder Rhabarberparfait mit Zitronenmelisse aus dem eigenen Garten. Als Huldigung an die sächsische „Gemütlichkeit“ kann der Gast zum Abschluss „warmen Kakao mit Butterbrot“ zelebrieren und die Schnitte einditschen.
Aus dem Chemnitzer Blitz

Chemnitzer Morgenpost vom 27.09.2010

Blitzpunkt vom 06.10.2010



